Erstellung barrierefreier Inhalte

Last modified by Katharina Schönefeld (Admin) on 02.05.2024

Webseiten müssen heute zahlreichen Anforderungen gerecht werden. Jede Person möchte mit jedem Gerät, an jedem Ort Informationen abrufen - ohne Einschränkungen, ohne Barrieren. Das Verwenden von mobilen Geräten mit kleineren Bildschirmen und ggf. langsamer Internetverbindung ist inzwischen selbstverständlich. Aber auch die Bedienbarkeit mit alternativen Technologien, z.B. Screenreadern, die mit Sprachausgabe und Tastaturbedienung funktionieren, muss gewährleistet sein.

Um diesen vielseitigen Anforderungen gerecht zu werden und Informationen somit zugänglich für alle Menschen anzubieten, gibt es einiges zu beachten. Die grundlegenden Richtlinien zu den Themen Usability und Barrierefreiheit geben wichtige Orientierung.

Usability

Usability, Benutzerfreundlichkeit oder auch Gebrauchstauglichkeit wird in der Norm DIN EN ISO 9241-11 definiert. Ein System muss von bestimmten Benutzer*innen in einem bestimmten Nutzungskontext verwendet werden können, um Arbeitsaufgaben effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erledigen und somit bestimmte Ziele zu erreichen.

Eine Einführung sowie viele weitere Informationen bietet die Webseite der Nielsen Norman Group (EN).

Barrierefreiheit

Die Richtlinien zur Erfüllung der Barrierefreiheit (Englisch: Accessibility) sind in den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.2) zu finden. Eine deutschsprachige Einführung in das Thema Barrierefreiheit bietet die Webseite "Einfach für alle".

Wichtig für das Verständnis des Bedarfs ist auch eine Übersicht über vorhandene Einschränkungen von Fähigkeiten und Behinderungen. Die W3C Web Accessibility Initiative (WAI) hat eine gute englischsprachige Übersicht über die vielfältigen Fähigkeiten und Barrieren. Bei Aktion Mensch gibt es einen kurzen Überblick über Behinderungsformen in deutscher Sprache.

In OPAL und ONYX können Sie als Autor*in verschiedene Inhalte erstellen und gestalten. Unter anderem besteht die Möglichkeit, über den Texteditor Beschreibungen und Seiteninhalte im Kurs mit Informationen zu füllen. Wir haben einige Tipps und weiterführende Inhalte für Sie vorbereitet.

 

Wie strukturiere ich Inhalte?

Bei der Strukturierung von Texten auf Webseiten oder in Dokumenten ist eine Orientierung an Büchern oder Artikeln sinnvoll. Die dort verwendeten Überschriften, Aufzählungen sowie ein Inhaltsverzeichnis und visuelle Hervorhebungen verbessern die Lesbarkeit, das Überfliegen bzw. Scannen mit den Augen und damit das schnelle Finden von relevanten Informationen. Außerdem helfen diese Elemente bei der Orientierung auf der Seite. Neben der visuellen Strukturierung über das Design ist auch eine technisch korrekte Strukturierung über passende HTML-Elemente notwendig. Dies ist besonders für die Barrierefreiheit relevant, da Screenreader und andere assistive Technologien basierend auf dem HTML-Code Informationen übermitteln und verschiedene Funktionen bereitstellen.

Der in OPAL integrierte Texteditor Tiny MCE unterstützt Sie bei der richtigen Strukturierung Ihrer Inhalte, ohne dass Sie sich HTML-Kenntnisse aneignen müssen.

Überschriften

Überschriften sollten nicht über die Schriftgröße sowie z.B. über die Formatierung Fett/Bold gestaltet werden, sondern über die HTML-Elemente <h1>, <h2>, <h3> bis <h6>. Die Hierarchie der Elemente (z.B. <h2> folgt auf <h1>) muss dabei eingehalten werden.

Formate im Texteditor Tiny MCE nutzen

Texteditor-Formate-Überschriften.png

HTML-Code für Überschriften

<h1>Überschrift 1. Ordnung</h1>
<h2>Überschrift 2. Ordnung</h2>
<h3>Überschrift 3. Ordnung</h3>
<h4>Überschrift 4. Ordnung</h4>
<h5>Überschrift 5. Ordnung</h5>
<h6>Überschrift 6. Ordnung</h6>

Absätze und Hervorhebungen

Absätze, Gestaltung von Zitaten oder Hervorhebungen durch umrahmte Textabschnitte helfen, einen Text aufzulockern und bei Bedarf zu den relevanten Informationen zu springen.

Formate im Texteditor Tiny MCE nutzen

Texteditor-Formate-Absätze-Hervorhebungen.png

HTML-Code nutzen

<p>Absatz</p>
<blockquote>Zitat</blockquote>

Die Elemente <div> und <span> haben keine Bedeutung (Semantik) und sollten nur verwendet werden, um z.B. die Gestaltung per CSS oder dynamische Anpassungen per JavaScript zu realisieren.

Listen

Listen können verwendet werden, um Informationen übersichtlich, kurz und knapp darzustellen. Wählen Sie zwischen ungeordneten und geordneten bzw. nummerierten Aufzählungen.

Listen im Texteditor Tiny MCE nutzen

Texteditor-Listen.png

HTML-Code für Listen

Ungeordnete Liste (unordered list <ul>)
<ul>
<li>Listeneintrag</li>
<li>Listeneintrag</li>
<li>Listeneintrag</li>
</ul>
Geordnete Liste (ordered list <ol>)
<ol>
<li>Listeneintrag</li>
<li>Listeneintrag</li>
<li>Listeneintrag</li>
</ol>

 

Tabellen

Verwendung von Tabellen

Verwenden Sie Tabellen ausschließlich, um Daten tabellarisch darzustellen. Tabellen sollten nicht verwendet werden, um Texte oder andere Inhalte aus optischen Gründen nebeneinander oder in "Spalten" anzuzeigen (Layout-Tabellen).

Prüfen Sie außerdem, ob eine tabellarische Darstellung notwendig ist oder ob Inhalte auch einfacher, z.B. mit Hilfe einer Liste, dargestellt werden können.

Auf Geräten mit schmalerem Bildschirm (z.B. Smartphones) und bei vergrößerter Darstellung (z.B. 300%) werden Tabellen oft nicht vollständig dargestellt. Inhalte sollten grundsätzlich nicht abgeschnitten angezeigt werden. Prüfen Sie die Darstellung mit verschiedenen Endgeräten und Vergrößerungsstufen und weisen Sie Tabellen nie eine absolute Breite (z.B. 700px) zu.

Tabellenüberschrift (Caption)

Jede Tabelle sollte eine Überschrift besitzen, die den Inhalt kurz zusammenfasst. Für diese Anforderung kann das HTML-Element <caption> genutzt werden.

Im Texteditor Tiny MCE können Sie über die Tabelleneigenschaften die Beschriftung der Tabelle aktivieren. Über der Tabelle erscheint dann ein Text, den Sie entsprechend Ihrer Inhalte anpassen können.

Tabellenbeschriftung im Texteditor Tiny MCE aktivieren

Beschriftung für Tabellen aktivieren im Dialog Tabelleneigenschaften im Texteditor (Screenshot)

Caption im HTML einfügen
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<table>
    <caption>Vorträge zu den Gruppenarbeiten</caption>
    ...
</table>

Spalten- und Zeilenüberschriften

Zellen für Überschriften (Kopfzellen) sollten von Datenzellen nicht nur per Design, sondern zusätzlich per HTML unterschieden werden. Kopfzellen in Tabellen werden daher mit dem HTML-Tag <th> ausgezeichnet, Datenzellen mit <td>.

Zusätzlich können die Kopfzellen mit den Datenzellen über das Attribut "scope" verknüpft werden. Dies stellt sicher, dass die Überschriften den Zeilen oder Spalten zugeordnet werden und somit die Ausgabe über Screenreader korrekt ist.

Im Texteditor Tiny MCE können Sie über die Zelleneigenschaften ausgewählte Zellen als Überschriften definieren und die Zuordnung zu Spalten oder Zeilen vornehmen.

  • Wählen Sie dazu die gewünschten Zellen aus und öffnen Sie die Zelleneigenschaften über das Menü (Tabelle > Zelle > Zelleneigenschaften).
  • Wählen Sie im Dialog bei der Option "Zellentyp" "Kopfzelle" aus.
  • Wählen Sie "Spalte" bei der Option "Gültigkeitsbereich" aus.
  • Wiederholen Sie die Aktion, falls Sie neben Spaltenüberschriften auch Zeilenüberschriften nutzen. In diesem Fall wählen Sie bei der Option "Gültigkeitsbereich" "Zeile" aus.

Lassen Sie Kopfzellen niemals leer.

Kopfzellen im Texteditor Tiny MCE definieren

Screenshot einer Seite mit einer Tabelle im Texteditor Tiny MCE. Die Kopfzeilen der Tabelle sind markiert und der Weg zu den Zelleneigenschaften ist hervorgehoben. Screenshot des Dialogs Zelleneigenschaften. Hervorgehoben sind die Optionen Zellentyp und Gültigkeitsbereich.

Kopfzellen im HTML auszeichnen
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<table>
 <caption>Vorträge zu den Gruppenarbeiten</caption>
 <thead>
  <tr>
   <th scope="col">Datum</th>
   <th scope="col">Uhrzeit</th>
   <th scope="col">Thema</th>
   <th scope="col">Ort</th>
  </tr>
 </thead>
 <tbody>
  <tr>
   <td>04.03.</td>
   <td>10:00 - 11:00 Uhr</td>
   <td>Nachhaltigkeit</td>
   <td>Raum 3b</td>
  </tr>

...

 </tbody>
</table>

 

Wie werden Texte gut lesbar?

Schriftart, Schriftgröße, Zeichen- und Wortabstände, Zeilenlänge und vieles weitere haben einen Einfluss auf die Lesbarkeit von Texten.

  • Bleiben Sie bei geläufigen Standardschriftarten (z.B. Arial) und vermeiden Sie verzierte, ausgefallene Schriftarten oder Schreibschriften.
  • Die Schriftgröße für große Bildschirme sollte zwischen 18px und 26px liegen. Für kleine Endgeräte, z.B. Smartphones, sollten kleiner Schriftgrößen verwendet werden, da sich das Gerät in der Regel näher am Auge befindet.
  • Der Zeilenabstand sollte mindestens 120% der Schriftgröße, besser 150% betragen
  • Die Zeilenlänge sollte zwischen 45 bis 80 Zeichen je Zeile, inklusive Satz- und Leerzeichen, betragen. 

Beachten Sie bitte, dass u.a. Schriftgröße, Zeilenabstand und Zeilenlänge sowohl von der Schriftart, als auch vom verwendeten Endgerät abhängig sind.

Tipp

Prüfen Sie die Lesbarkeit Ihrer Texte an verschiedenen Endgeräten und lassen Sie die Lesbarkeit durch andere Personen bewerten. Idealerweise von Ihren Nutzer*innen. Beziehen Sie Menschen mit Sehbehinderungen oder kognitiven Beeinträchtigungen sowie Lernbehinderungen ein.

Wie sollten Links gesetzt werden?

Texte für Verlinkungen brauchen eine aussagekräftige Bezeichnung und sollten den Zweck bzw. das Ziel des Links beschreiben. Mehrdeutige Link-Texte wie "mehr", "hier" oder "weiter lesen" sollten vermieden werden. Relevante Informationen über das Format oder die Größe einer Datei (z.B. bei einem Download-Link) sollten ebenfalls im verlinkten Text berücksichtigt werden.

Tipp: Ein Link muss für sich alleine stehen können und das Ziel oder den Zweck trotzdem ausreichend beschreiben.

Was ist beim Einsatz von Medien zu beachten?

Grundsätzlich sollte bei der Verwendung von Medien neben Speicherverbrauch und Ladezeiten auch die Nutzbarkeit unterwegs, z.B. mit einem Smartphone und schlechter Internetverbindung bedacht werden. Außerdem sollten Informationen stets auch über einen zweiten Weg, z.B. Text zugänglich sein.

Wir haben für Sie einige Tipps mit Blick auf Barrierefreiheit und Mobilfähigkeit zusammengefasst.

Dateigröße

  • Für Fotos sollte das Format JPEG bevorzugt und je nach Bildinhalt mittlere bis hohe Qualität gewählt werden.
  • Bilder sollten eine Dateigröße von 100-200kB nicht überschreiten.
  • Speichern Sie die Bilder direkt in der benötigten Bildgröße (Breite x Höhe) mit der Auflösung 72dpi ab.
  • Für sehr große Dateien, z.B. Videos, empfiehlt sich die Einbindung über ein externes Tool (z.B. Videocampus Sachsen, YouTube, Vimeo u.ä.)

Gängige Bildbearbeitungsprogramme aber auch Online-Tools können bei der Komprimierung von Bildern ohne sichtbare Qualitätsverluste helfen.

Bildunterschrift

Die Bildunterschrift bzw. der Bildtitel stellt eine zusätzliche Beschreibung zum Bild dar. Ein Bildtitel ist notwendig, wenn wichtige Informationen zum Bild vermittelt werden sollen. Im Gegensatz zur Bildbeschreibung (Alternativtext) ist der Bildtitel auch für Sehende zugänglich.

Verwenden Sie folgenden HTML-Code um das Bild und den Bildtitel barrierefrei zu gestalten:

Bildunterschrift mit den HTML-Elementen figure und figcaption

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<figure>
    <img alt="Alternativtext">
    <figcaption>Bildtitel / Bildunterschrift</figcaption>
</figure

Alternativtext

Für Bilder, die relevant für den Inhalt einer Seite sind, sollte ein Alternativtext hinterlegt werden. Dieser wird u.a. von einem Screenreader ausgegeben und ist somit für blinde Menschen zugänglich. Aber auch wenn die Bilder auf der Seite deaktiviert sind oder aufgrund einer langsamen Internetverbindung nicht geladen werden, kann die Information trotz fehlendem Bild übermittelt werden.

Folgendes ist bei Alternativtexten für Bilder zu beachten:

  • Kurz halten: Der Alternativtext sollte nur die wichtigsten Informationen enthalten. Grobe Richtlinie: 125 Zeichen.
  • Informationen beschreiben: Nur die für den Kontext (z.B. den Text) relevanten Informationen, die das Bild übermitteln soll, beschreiben.
  • Bilder, die nur der Gestaltung dienen, sollten keinen Alternativtext (leeres alt-Attribut) erhalten. Im Texteditor können Sie diese Bilder als dekorativ markieren.

Tipp für gute Alternativtexte: Stellen Sie sich vor, Sie würden das Bild einer Person am Telefon beschreiben. Welche Details erwähnen Sie, welche lassen Sie aus, da sie im Kontext nicht relevant sind?

Alternativtext im Texteditor Tiny MCE hinterlegen

Texteditor-Bilder-Alternativtext.png

Alternativtext im HTML hinterlegen

<img ... alt="Der Schaum auf einem Kaffee bildet ein schreiendes Gesicht." /> 

Bild als dekorativ markieren

Texteditor-Bilder-dekorativ.png

Im HTML: Leeres alt-Attribut für Bilder ohne relevante Informationen

<img ... alt=" " /> 

Für Bilder sollte auch der Kontrast geprüft werden. Das Hauptobjekt im Bild sollte sich ausreichend vom Hintergrund abheben. Tipps erhalten Sie bei leserlich.info.

Weiterführende Informationen

Bilder für Smartphones und Tablets optimieren

Damit Bilder auf Geräten mit kleineren Bildschirmen vollständig dargestellt werden, ohne das Nutzer*innen horizontal scrollen müssen, sollte die maximale Breite im HTML auf 100% begrenzt werden. Dadurch wird das Bild nur so lange in der gewählten Größe dargestellt, bis es breiter ist, als der verfügbare Platz auf dem Bildschirm. Danach wird es dynamisch an die verfügbare Breite angepasst.

Mit max-width eine maximale Breite für Bilder setzen

<img ... style="max-width: 100%" /> 

Alternativen für Videos und Audio-Dateien bereitstellen

Beim Einsatz von Medien sollten die Informationen stets auch in einer alternativen Form angeboten werden. Neben der Bildbeschreibung (Alternativtext) für Bilder sollte an reine Audio-Inhalte (z.B. Podcasts) und Video-Inhalte mit Bild und Ton gedacht werden.

  • Bieten Sie alternativen Inhalt oder ein Transkript an, wenn Sie Audio-Dateien wie z.B. einen Podcast verwenden.
  • Stellen Sie Untertitel und eine Übersetzung in Gebärdensprache für Video-Inhalte bereit.
  • Binden Sie Medien von externen Plattformen, wie z.B. YouTube oder Videocampus Sachsen ein.

Auf Videoplattformen wie YouTube und Vimeo werden Untertitel automatisch erzeugt. Diese können bei Bedarf korrigiert werden.

Farben & Kontraste

Achten sie bei der Auswahl von Farben auf ausreichend Kontrast zwischen Hintergrund- und Textfarbe. Grundsätzlich hat Schwarz auf Weiß das beste Kontrastverhältnis, generell sollte das Verhältnis mindestens 4,5:1 betragen (WCAG 2.1 - Contrast).

Vermeiden Sie kritische Farbkombinationen wie z. B. Rot auf Grün oder Schwarz, da diese von manchen Menschen schlecht wahrgenommen werden können. Auch grelle Farben und blinkende Elemente sollen vermieden werden.

Farbe sollte weiterhin nie als einzige Hervorhebung einer Information genutzt werden. Ergänzen Sie z.B. bei Hinweis- oder Fehlermeldungen ein gut erkennbares Icon sowie einen zusätzlichen Texthinweis. Verzichten Sie auf Anleitungen oder Beschreibungen, die sich nur auf eine Farbe oder andere visuelle Eindrücke beziehen, z.B. "Klicken Sie auf den grünen Button".

Nützliche Werkzeuge